Einer, mit dem ich 18 Berufsjahre gemeinsam Aufnahmen gemacht habe, war der Bandleader Erwin Lehn. Nicht immer einfach, da er praktisch ständig auf der Suche war. Da konnte man nicht einfach in vorauseilendem Gehorsam „seinen“ Weg gehen, da man nie wußte, wohin er führen würde. Vielleicht wußte er nicht, wie der Weg aussehen sollte, aber er wußte immer, wohin er führen sollte.

Und das ist jetzt, rückwirkend betrachtet,  auch nicht so schwer zu verstehen - aber mitten im Schaffensprozeß und ohne die Abgeklärtheit des Alters ?

 

 

Jedenfalls haben wir, das Team, wohl doch nicht alles gegen den Strich gebürstet, wenn ich immerhin noch eine solche Widmung von ihm in sein Buch geschrieben bekommen habe. 

 

Aus diesem Buch >Paul Allmendinger – Erwin Lehn – Bandleader<  aus der Edition Barocco im Peter Valentin Verlag stammt auch das Foto von Erwin Lehn am Vibraphon (mit einem - damals neuen - Neumann M49 in chromglänzend, wen´  s interessiert).

 


Erwin Lehn und sein Südfunk Tanzorchester

 

Seine Karriere als Pianist und Arrangeur hat Erwin Lehn beim Radio Berlin Tanzorchester im Jahr 1945 begonnen, als er von Bully Buhlan „entdeckt“ und als Klavierspieler in die Band geholt wurde.  Als deren Bandleader Michael Jary Berlin verließ, leitete Lehn ab  1947 die Formation zusammen mit Horst Kudritzki,  bis der jazzbegeisterte gebürtige Pfälzer auf Empfehlung von Hans Carste vom RIAS Berlin nach Stuttgart ging („nehmt den Erwin Lehn, jung und doch schon erfahren, modern, aber musikalisch nicht überkandidelt, sympathisch und doch auch diszipliniert streng – einfach der Richtige“).

 

Dort gründete Lehn am 1. April 1951 (genau genommen am 2. April, weil er den 1. April für eine „Scherznummer“ hielt) im Auftrag des Süddeutschen Rundfunks ein neues Orchester, das offiziell als Südfunk-Tanzorchester firmierte, aber bald nur noch Orchester Erwin Lehn genannt wurde. Er beerbte damit die Rundfunk-Tanzkapelle Paul Wehrmann, die sich kurz zuvor aufgelöst hatte. Das Orchester, das ein Sprungbrett für die Solokarrieren von u. a. Horst Jankowski, Peter Herbolzheimer, Charly Antolini , Horst Fischer und Klaus Weiss, aber auch Ernst Mosch und Mladen Gutesha wurde, spielte nicht nur swingende Tanz- und Unterhaltungsmusik, sondern auch mitreißenden Bebop und später modernen Jazz.

 

Unter den amerikanischen Starsolisten (u.a. Miles Davis, Stan Getz, Benny Goodman, Oliver Nelson und Lester Young), die in den 1950ern mit dem Orchester Erwin Lehn auftraten, erhielt die Band den ehrfurchtsvollen Spitznamen “The German Jazz Hurricane”.

 

Ich kann mich aus meiner eigenen Zeit an viele Aufnahmen mit amerikanischen und internationalen Jazzsolisten erinnern. Vor allem eine bleibt unvergeßlich: Als ich im März 1972 zu einem Praktikum beim Südfunk war, wurden einige Titel mit Chick Corea eingespielt, der damals noch ganz taufrisch am Jazzhimmel aufgestiegen war. Seine Arrangements von „La Fiesta“ und „Return To Forever“ klangen beim ersten Durchspielen, vorsichtig ausgedrückt, kakophonisch. Man kannte ja seine Qualitäten als Arrangeur nicht, deshalb wurde erst mal ganz vorsichtig geforscht, bis Bernd Rabe auf seine unnachahmliche Art anfing, laut zu lachen: „das ist eine Partitur in C, so wie die Amis schreiben“. Ja, das hatte der Kopist nicht bedacht, und nach einer Schreibpause, in der die entsprechenden Korrekturen vorgenommen wurden, konnte die Aufnahme mit den richtigen Tönen fortgesetzt werden.

 

 

 


Das Orchester Erwin Lehn, wie es im Jahr 1951 begann

 

Walter Vogel, Karl-Heinz Tischendorf (as), Berthold Schramme, Werner Baumgart (ts), Ernst Machwitz (bar)

Horst Fischer, Heinz Abendschön, Franz Bummerl, Georg Ernszt  (tp)

Ernst Mosch , Josef Göppel, Ferry Juza, Kurt Krause (tb)

Joka Weber, Ewald Bargmann, Helmut Geiger, Heinrich Rieth, Eberhard Schmidt-Schultz, Bruno Zwintscher (vl), Kurt Leisring (va), Max Franke (vc)

Walter Rehfeld (b)

Günther Leimstoll (git)

Gerhard Wehner (p, acc)

Hermann Mutschler (dr)

 


Das Orchester Erwin Lehn, aus dem Jahr 1966

Bernd Rabe, Fritz Dautel (as), Joki Freund, Manfred Hoffbauer (ts), Ernst Machwitz (bar)

Georg Ernszt, Conny Jackel, Franz Bummerl, Eberhard Schmidt-Schulz (tp)

Günther Rieke, Juraj Cukaz, Alfred Pendsialek, Kurt Krause (tb)

Horst Jankowski (p)

Peter „Fifi“ Witte (b)

Charli Antolini (dr)

 

Im April 1967 wurde  Horst Jankowski zum Bandleader beim RIAS in Berlin berufen, beim Orchester Erwin Lehn ersetzte ihn Helmut Kirchgäßner

 

Etwa um die gleiche Zeit hat Charli Antolini die Band verlassen und für ihn kam zunächst für etwa ein Jahr Klaus Weiss, danach Jörg Gebhardt, der lange Zeit der „Benjamin“ des Orchesters war, bis ich ihn 1974 (24-jährig) als jüngster im Team ablöste.

 


Das Orchester Erwin Lehn, wie ich es im Jahr 1974 kennenlernte

Bernd Rabe, Fritz Dautel (as), Joki Freund, Manfred Hoffbauer (ts), Ernst Machwitz (bar)

Lubomir Rezinina, Ack van Rooyen, Lee Katzman,  Eberhard Schmidt-Schulz (tp)

Bobby Burgess, Donald "Don" Beightol, Alfred Pendsialek, Kurt Krause (tb)

Helmut „Cherry“ Kirchgäßner (p)

Hans Wenzel (git)

Peter „Fifi“ Witte (b)

Jörg Gebhardt (dr)