neues Projekt

TAB* U 73b mit Varicom(Z).

* = Markenname TAB mit freundlicher Erlaubnis der Funkstunde

Seit Mau 2017 arbeite ich begeistert an einem Projekt mit dem U73b und Varicom(Z) - oben meine Zielvorstellung als Frontpanel, wenn ich keine weiteren Stellmöglichkeiten mehr finde, die ich nach außen legen möchte, ist das bereits die endgültige Form. Meine Vorstellung geht dahin, das komplette Stereoset inkl. Varicom (ursprünglich in 3 Normkassetten) in ein 19"-Gehäuse einzupassen.
Es kommt sehr gelegen, daß sich ein Profi wie Greg Lomasyeva von drip electronics auch mit diesem geheimnisvollen Wesen beschäftigt. Seine Platine für den U73b ist fertig.
Die spezielle Funktion der 3 x E 1008 im Varicom ist mit der Hilfe von Daniel Noll enträtselt. Sie sind so etwas wie TVS (transient voltage suppressing) Dioden und die Originale sind von SGS/Fairchild aus den 60ern. Und es gibt Äquivalenztypen mit asolut deckungsgleichen  Arbeitskurven.
 
Meine Konstruktion soll auf Stahlblechplatten und GFK-Platinen mit Nietlötösen aufgebaut werden. Ich will auch die Anordnung der Bauteile und Kabelwege von TAB weitgehend beibehalten. Dave Pindrells "from the scratch" Lösung hat mich angeregt und sensibilisiert für Platinengestaltung und Masseführung, vor allem auch die Wechselwirkung der Übertrager. Und ich will in allen Prinzipien so dicht wie möglich am Original bleiben. Nur die 3 passiven Netzteile werden zur besseren Abschirmung hinter einer Trennwand plaziert - ja, es sind drei. Da es passive Netzteile sind, sollen sie jede der Einheiten soviel Strom ziehen lassen, wie sie braucht - unabhängig voneinander (Stereobalance !). Und auch das wie im Original.
Die ersten Röhren sind eingetroffen, sogar ein paar aus dem Fundus der "Tono", also absolut original und die E99F bereits als Pärchen eingemessen. Von HAUFE habe ich die originale Anodendrossel BV514 und die Tiefpaßdrossel D-V440
In Zusammenarbeit mit Greg Lomasyeva von drip electronics hat SOWTER den T188 (1505e) und die BV 514 (1377) ins Programm genommen. Dort gibt es auch den AÜ V72/2 (1275 - original ratio) mit 11,2:1, wobei er auch noch einen (1120 - alternative ratio) mit 9:1 (50K/600) anbietet. Vorteile dieser Ausführungen sind, daß man die Übertrager gleich mit Mumetallhaube bekommt.

                                                                                                   

alternativ aufbereitet zum Nachbau als 19" - 3HE - Gerät
Der U73b, Geniestreich der TAB und Heinz Günther Schütte (+2014)

Der 1505e ist da und wurde durchgemessen. Sein Gleichstromwiderstand ist (beide Primärwicklungen zusammen oder die ganze Sekundärwicklung) 192 Ohm gegenüber den 683 Ohm vom Haufe. Das war auch nicht anders zu erwarten laut Datenblatt SOWTER: Rp = Rs =  200 Ω.

Nachdem ich ihn gemessen hatte, wußte ich plötzlich mehr: Das ist ein 0,5 + 0,5 : 0,5 + 0,5. Vier Wicklungen.

Im T188 (Pos.70) wird das Audiosignal 1:2 angehoben und das Kontrollsignal 1:1 an das Gitter der E80CF weitergegeben. Im T188 (Pos.74) (Primärwindungen parallel geschaltet) wird das Kontrollsignal 1:2 angehoben und an die Regelpentoden E99F weitergeleitet. Der dritte T188 (Pos. 76) arbeitet als Interstage 1:1, die Primärspulen seriell.

Man möge mir nachsehen, daß ich eine gewisse Skepsis gegenüber kommerziellen Nachbauten nicht ablegen kann, obwohl SOWTER hervorragende Übertrager baut. Aber unabhängige engagierte Audiotüftler bestätigen, daß die Originale, wie auch immer, schwer zu rekonstruieren sind, wenn man nicht über das originale Material und Knowhow verfügt. Aus diesem Grund habe ich dann auch weiterhin an einer Lösung aus hiesiger Handwerkszunft gearbeitet. Immer in der Hoffnung, daß sich ein Weg auftun wird.

Geholfen hat, wie mit so vielen Details, Wissen und Material Johannes Brüning, der den Nachlaß der Firma TAB sowie die Markenrechte führt. Dieser T188 stammt aus einem geschlachteten U70 und hat 5 nach außen geführte Anschlüsse.

Da alle T188 ebenso wie die Übertrager der V70 Serie per Bauvorschrift in Scheibenwicklungen ausgeführt werden sollten ( und bei den ersten, vom NWDR hergestellten Exemplaren wohl auch waren ?), bin ich davon ausgegangen, daß durch Aufdröseln der verbundenen Anschlüsse Zugriff auf alle Scheiben (Wicklungen) möglich sind und damit jede mögliche Kombination. Das ist prinzipiell in jedem Fall richtig, aber wie man sehen wird, wurde aus Kostengründen später dann doch die schneller und mit weniger Aufwand realisierbare Zylinderwicklung eingesetzt.

Die Übertrager am Neutrikmessplatz

Das sind die Frequenzschriebe des SOWTER 1505e. Links von Primärwicklung 1 zu Primärwicklung 2, rechts von Primärwicklung 1 zur Sekundärwicklung. Ein Peak ist zu erkennen bei 30kHz, bis 10 Khz ist er linear, zwischen 10 und 20 kHz steigen sie an.

Das sind die Frequenzschriebe eines Haufe T 188. Links von Primärwicklung 1 zu Primärwicklung 2, rechts von Primärwicklung 1 zur Sekundärwicklung. Ein Peak ist bei etwa 23 kHz erkennbar, nicht ganz so steil wie beim SOWTER.

Insgesamt kann man dem SOWTER attestieren, daß er ein guter Nachbau des T188 ist. Beide Exemplare sind linear bis 10 kHz und ziehen dann an. Der SOWTER bei höheren Freuenzen und steiler, der Haufe früher und flacher. Der Bassbereich ist moderat, leicht verhalten bei beiden.

Die Frequenzschriebe meiner beiden MD188 Prototypen werden folgen.


 

 

 

 

 

Mein aktueller Bestand an Übertragern für das Projekt :

6 Stück T188 (650 Ohm), ein T188-blau (400 Ohm) und 2 Stück AÜ V72/2. Ausreichend für ein Stereoset U73b mit Varicom.

 

Original Übertrager und NOS Röhren, was will man mehr ??

 

Untere Reihe #4 ist mein Nachbau MD188 (400 Ohm) für weitere Projekte. Davon später.

 

Immerhin habe ich über die US Firma "magnetic metals" Kontakt zu einem englischen Distributor gefunden, von dem ich das Kernmaterial EI 625 (das angelsächsische Pendant zum deutschen EI 48) bekommen konnte. Eine für mehrere Übertrager ausreichende Probe kam an und mit einem willigen und fähigen Fachmann hätte hier die Produktion beginnen können. Es kam aber anders ....

Doch zunächst noch etwas mehr graue Theorie


Meß- und Bedienungsanleitung U73b


In der Beschreibung und Meßanleitung wird auf einen Beitrag von Burkowitz und Pethke in der Internationalen Funkschau Heft 1, 1965 verwiesen.

Peter Burkowitz, Tonmeister mit internationalem Renommee von der Electrola und der C. Lindström GmbH, Köln, später Polygram in Hannover, und H. Pethke von der Tonographie Apparatebau, Wuppertal resümieren hier Wesentliches über die Kompressorfunktion. Uns heutigen Menschen erscheint das vielleicht selbstverständlich, damals war es bahnbrechend.

Ich habe einen Jahresband Internationale Funkschau 1965 erstanden und den Beitrag eingescannt. Interessant, sich heute wieder in die Denkweise jener Zeit einzufühlen. Die Furcht vor der Atombombe war damals viel konkreter als heute. Ich denke auch, die Gefahren der technischen Entwicklung wurden realistischer wahrgenommen. Das sieht man heute bedenkenloser, oder gelassener ? Oder sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr ?

Aus dem zeitlichen Abstand und mit der Weisheit des Alters ist es für mich traurig zu sehen, wie deutsche Firmen nach dem totalen Ausverkauf nach WWII immer noch meinten, bei den Großen mitspielen zu dürfen. Ach so, ja, wir wurden ja als Bollwerk gegen den Kommunismus gebraucht.


T 188 Version 2

Am 18.10.2017 kam also das Kernmaterial EI 625 (entspricht bis auf 10tel Millimeter dem EI 48) für die T 188 - bzw ein "Sample" von 500 Gramm von der Firma L&H components, UK. Damit war die erste Hürde genommen und ich habe dann nach einem Trafowickler gesucht, der Scheibenwicklungen macht. Damit sollte sich herausstellen, ob das Material die gewünschten weichmechanischen Eigenschaften für einen Audioübertrager hat. Diese Suche war ergebnislos. Eine Erklärung mag vielleicht in dem hohen Aufwand liegen, der für eine Scheibenwicklung* getrieben werden muß.

 

Alternative:

Es gibt hier um die Ecke eine Firma, bei der ein italienischer Konstrukteur von hochwertigen Röhrenamps ( Hallo Enzo !) die Audio-Übertrager wickeln lässt.

 

* Neuerdings habe ich auf der Suche nach dünnerem Draht auch einen Kupferlackdraht mit 2 verschiedenen Lackierungen gefunden, sogenannten Back-Lackdraht in den Stärken 0,1 bis 1,4 mm. Die erste Lackierung ist fix mit dem Kupfer verbunden, darauf gibt es eine  temperaturlösliche Lackierung, die zwischen 140° und 190° weich zu werden beginnt. Damit könnte man eine Spule auf einen Hilfsträger wickeln und die Drähte mit einer Heißluftpistole erhitzen, bis sie verschmelzen. Dann hätte man die gewünschte "Luftspule", die man nach dem Erkalten vom Hilfskörper abziehen kann  und auf einen endgültigen Spulenkörper schiebt. Viel einfacher als damals, als man den Draht erst durch heißes Wachs ziehen musste. Any objects ? Gibt es Dinge, die man dabei falsch machen kann ?

 

 

 

 

 

Anamnese und Rekonstruktion T188

Die nächste Phase ist angelaufen. Der heimische Trafowickler um die Ecke hat auch einen Lieferanten* für die Originalbleche (EI48) in nachgeglühter Qualität, sogar mit der originalen 4 Lochbefestigung (dadurch kein Schmetterlingseffekt) und wir haben begonnen, einen originalen T188 zwecks Anamnese zu schlachten. Beide Kammern haben wir analysiert, die Größe jeder Wicklung rückwärts gezählt und einen Plan erstellt. Die selbstklebenden Kupferbänder der Firma HELCA-Metall sind eingetroffen, nun (22.06.) wird der T188 ziemlich originalgetreu nachgebaut.

Schade, daß HAUFE da trotz des guten Willens einiger Beteiligter nicht ranwollte. Aber unsere Lösung wird genauso gut. Basta.

* ein international tätiges Unternehmen aus Deutschland, das die originalen Laminate nach DIN herstellt - wem fallen da nicht die Kinnladen runter vor Staunen !

Auf dem Altar der Erkenntnis geopfert: ein originaler Haufe T188. Übrig blieben neben dem Spulenkörper ein paar kleine Teile, ein Haufen Draht und das Wissen, wie so ein Übertrager gebaut worden ist. Die zweite Kammer brachte dann die Auflösung, aber keine weiteren Überraschungen.

Selengleichrichter oder Siliziumdioden ?

Die originalen SIEMENS Brückengleichrichter B450C80 und B250C100 sind nicht mehr erhältlich, und selbst NOS Selengleichrichter sind nicht mehr in dem Zustand, wie sie mal waren. Man kann sie wohl durch vorsichtiges "Hochfahren" wieder aktiveren, aber ich will ja nicht von Vornherein eine Sollbruchstelle einbauen.

Die einfachste Lösung ist eine Schaltung mit Siliziumdioden. Parallel zu den Dioden Kondensatoren, die den Abriss des Stroms durch die Dioden abfangen. Dieser Abriss passiert deshalb, weil eine Netzdiode nicht sofort sperrt. Das führt zu starken hochfrequenten Störungen durch Oberschwingungen im Strom im Netzkreis.

Oder gleich einen dafür vorgesehenen Brückengleichrichter, da ist das alles gleich drin.

Dabei gilt es zu beachten, daß die Verlustleistung der Selengleichrichter höher war als die von Dioden (~20 Scheiben á 1V = ~20V), sprich mit Siliziumdioden kommt mehr Spannung an (Verlustleistung ~2V). Also die Sekundärwicklung für die Anodenspannung um den Betrag Selen/Silizium niedriger dimensionieren. Das ist besser als einen Lastwiderstand dahinter zu schalten, denn damit wird die Leistung erst nach dem Aufheizen der Röhren (wenn der Anodenstrom fließt) herunterregelt und bis dahin kann ein knapp dimensionierter Gleichrichter bereis sein kurzes Leben beendet haben.

Eine ungefähre Angabe der Typen und Leistungswerte kann man der Bezeichnung bei SIEMENS entnehmen:

B = Brückengleichrichter / E = Einzelgleichrichter, danach folgt der Wert für Volt und nach C folgt die Angabe für den Strom in mA.

Irgendwo im Netz kursiert auch eine Ersatzschaltung mit MOSFET, um die Kennlinie eines Selengleichrichters zu simuleren.

Grundsätzliches zum Thema Selengleichrichter und Ersatz durch Siliziumdioden gibt es hier. Mit den angegeben Beispielen kann man sich über Dreisatz schnell die benötigten Werte errechnen.

Man kann auch ein voll geregeltes modernes Netzteil einbauen, nur reagiert das Gerät dann anders in den Grenzbereichen, speziell wenn es viel Strom zieht. Nichts für einen originalen Nachbau.

 

TAB Varicom (Z)

den variablen (Z) macht der MosFet 2N2386
TAB Varicom (Z), noch ein Geniestreich von Heinz Günther Schütte

SGS Fairchild E1008

Das geheimnisvolle Teil ...

 

oder doch nur eine TVS Diode, um die Schaltung vor Überspannung zu schützen ?

 

In der technischen Beschreibung des Varicom heißt es:

 

Das Gerät erhält ein aus dem Nutzkanal abgeleitetes Signal; die Amplitude des Signals wird in Verbindung mit einer Frequenzbewertung (# 70, S2) logarithmiert und zweiweggleichgerichtet (# 71, # 68 + # 69). Im Varicomspeicher entsteht über # 22 (bzw. 18, 19, 20, 21) eine negative Spannug.

 

Die so gewonnene negative Gleichspannung steuert über die Basis (Gate) den FET Transistor ....

Infolge der Logarithmierung des Steuersignals und über die Kennlinie des FET Transistors erfolgt eine progressive Reduzierung des Widerstands bei zunehmender Übersteuerung ....

 

# 70 ist das geheimnisvolle Teil, das für die Logarithmierung sorgt, die Frequenzbewertung macht der 4 stufige Hochpaß über Schalter 2.

 

Das Institut für Halbleitertechnik hat mir (Bernfried Runow, SWR sei Dank !) in Person von Daniel Noll bei der Analyse des Teils geholfen. Es läßt sich tatsächlich mit modernen Bauteilen simulieren, die Kurven sind nahezu identisch.

 

nrg cases - Frank Röllen und die 19" Gehäuse

 

 

 

 

 

 

So sieht das Gehäuse als Rohbau aus. Die Winkel sind zum Befestigen der Blechplatten - für die Montage der Übertrager und Röhren - und der GFK-Platinen mit Lötösen eine Ebene drunter für die kleineren Bauteile.

Es wird ganz schön eng werden (auch heiß ?).

Meine Planung der Blechplatten für U73b und Varicom(Z) und die Ausführung durch Fa. H.P. Kaysser in Leutenbach passt. Wie man sieht, kommt da schon einiges an Gewicht zusammen. Für die Übertrager hätte ich gern später noch Hauben aus Mumetall, dann wird´  s aber noch schwerer.

Der Entwurf für die GFK Platinen wird jetzt noch ein letztes Mal überarbeitet und dann in Auftrag gegeben. Die erste Firma, an die ich mich gewendet hatte, war außer der Tatsache, daß sie zusätzlich zur dxf-Datei noch die Koordinaten aller Bohrungen einzeln haben wollten, leider in finanzieller Hinsicht einfach unverschämt.

 

 

 

Bei der "letzten Anprobe" hat sich gezeigt, daß die Anschlüsse für die Röhrensockel nicht speziell auf die Platine herausgeführt werden müssen, die liegen frei zum direkt anlöten.

Lieferung und Bearbeitung (Zuschnitt und Bohrungen) der GFK-Platten macht die Firma AHL-TEC Leonhardt, superfreundlich und kompetent.

Inzwischen sind auch die Blechplatten für den Varicom bestellt und alle GFK Platinen (U73b-, Varicom- und Netzteilplatinen) in Auftrag. Als nächstes muß ich mich für Nietlötösen der Firma Osterrath entscheiden, bei denen es ein fast unübersehbares Angebot gibt..

                                     

Werner Andres, ex TAB

Über Johannes Brüning habe ich Werner Andres, den ehemaligen Einkäufer und technischen Mitarbeiter bei der Tonografie kennengelernt. Er hat noch einiges an Erinnerung an die Fertigungsprozesse, es lässt sich prima mit ihm telefonieren und ... er hat auch noch ein paar Teile im Keller liegen.

 

Und wieder ein paar neue Teile ...

Ein paar weitere Bauteile für mein U73b Projekt sind eingetroffen:
GFK Platten mit Bohrungen für die Komponenten hat Firma AHLTEC Leonhardt aus Zschorlau bestens ausgeführt. Auf die werden zunächst mal die Nietlötösen aufgebracht, die von Firma Osterrath aus Bad Laasphe-Sassmannshausen geliefert werden, sogar für einen Kleinbesteller wie mich.
Ich will auch noch einen Druck mit meinem LOGO und einigen Konstruktionshilfen aufbringen lassen. Das sollte mit Digitaldruck und UV-Härtung möglich sein, aber wer macht sowas ?
Die originalen ELMEWE Instrumente 100µA (ja, genau die, die für den Varicom verwendet wurden) stammen aus nicht genannter Quelle. Auf die bin ich besonders stolz, denn das sind die Unwägbarkeiten des Lebens, an solche Teile zu kommen. Da hätte ich nie mit gerechnet ...

 

MD 188 - der Prototyp eines Nachfolgers

Das Original von der bekannten Firma aus Usingen und mein (unser) Nachbau. Ich bin sehr stolz auf diesen großen Schritt. Das erste, was ich sofort messen konnte, ist der Gleichstromwiderstand. Bei Verwendung von 0,1mm Drahtstärke liegt er bei 400 Ohm pro Seite (bei ineinander verschachtelten Wicklungen). Zum Vergleich: die Originale haben 680 Ohm, manche mehr, manche weniger - der SOWTER 200 Ohm. Gutes Mittelfeld ? Einen Hörtest, eingeschleift in einen Monoweg habe ich schon mal gemacht - das Ergebnis weiter unten. Und wichtiger ist sowieso der Klang im eingebauten Zustand, und den zu beurteilen wird noch etwas länger dauern.

Und warum sind die herausgeführten Drähte auf 6 dicker als die anderen ? Weil dort die statischen Schirme herausgeführt wurden. Für die - das habe ich noch nicht erwähnt - das schweineteure Kupferband mit Isolierschicht angeschafft wurde.

 

Ich bin noch auf der Suche nach einer Blechbearbeitungsfirma, die mir passende Mumetallgehäuse bauen kann. Im Original sind Eingangs- und Kontrollwegsübertrager mit einem solchen Gehäuse versehen - wird schon seinen Grund haben.

Aber der erste Lauf muß ohne diese auskommen.

THD und NOISE des neu entwickelten MD 188 (im Original T 188).
THD und NOISE des neu entwickelten MD 188 (im Original T 188).

MD 188/2 - ein weiterer Prototyp

Beide Prototypen, die mir Herr Fischer gewickelt hat. In der zweiten Stufe jetzt die Version mit dem dünneren Draht, die im DCR mit 586 Ω (=Gleichstromwiderstand) schon viel dichter an der HAUFE Version liegt.

 

In der Gegenüberstellung:

 

HAUFE           P1 = ~ 328 Ω / P2 = ~ 328 Ω / S = ~ 656 Ω

MD188-0,10  P1 = ~ 200 Ω / P2 = ~ 200 Ω / S = ~ 402 Ω

MD188-0,08  P1 = ~ 293 Ω / P2 = ~ 293 Ω / S = ~ 586 Ω

 

Klang wird noch ausgiebig getestet, aber wie sagt der Gitarrenbauer über den Tonabnehmer: Je feiner der Draht, desto feiner der Klang.

An dieser Stelle kann ich nur auf den Hörvergleich verweisen.

 


Graue Theorie der Trafowickelei ...

Der T188 sollte[1], wie auch die anderen Übertrager der V72-Serie, aufgebaut werden  in 8 Scheibenwicklungen, die direkt Primär-/Sekundärwicklung nebeneinander gelegt wurden, um einen möglichst geradlinigen Frequenzverlauf zu ermöglichen. Das heißt also 8 mal ~3mm breite Scheiben, die Primärseite 4 Scheiben und die Sekundärseite 4 Scheiben, jede Scheibe jeweils 500 Windungen 0,10er Draht (oder entsprechend). Interessanterweise heißt es in der Bauvorschrift:

10.a.

Verbindlich sind die geometrischen Maße der Scheibenspulen, nicht die Drahtstärken.

Auf die Scheibenwicklungen wurde Ölleinen aufgebracht im rechten Winkel zum Spulenring,  in jeweils 5-6mm breiten Streifen. Danach wurde die Spule in Leitsilber , oder, getaucht und eine Litze vom Leitsilber auf den Schirmanschluß gelegt, das ergab die sogenannte statische Schirmung.

 

Nochmal: immer eine Primär- und Sekundärwicklung, nacheinander geschoben auf einen Spulenkern EI 48, der einen seitlichen Flansch hat (das „I“). Man schiebe abwechselnd ein E mit dem mittleren waagrechten Balken durch den Spulenkörper und ein E dagegen. In die entstehende Lücke wird das „I“ geschoben. Dabei achte man auf den "Grat" der beim Blechschneiden an der Außenkante entsteht - der muß immer in die gleiche Richtung weisen. Zur Stabilität bekommt der Übertrager einen Außenflansch aus Pertinax oder einen Blechrahmen zum Befestigen. Bei HAUFE wurden die Blechpakete, im Gegensatz zu manchen anderen Firmen, nicht verklebt. Das hat Vor- und Nachteile. Wesentlich war die 4 Punktverschraubung zur Vermeidung des Schmetterlingseffekts.

 

Vorgabe von Rundfunkanstalten und IRT zu jener Zeit war die Übersteuerungsfestigkeit. Dazu kam die der Übertragungsqualität widersprechende Forderung nach einer Durchschlagsfestigkeit von 2,5kV. Diese Prämissen konnten nur mit entsprechend großen Spulenkernen erreicht werden. In modernem Schaltungsdesign wird gern am Eingang des Bauteils um 10dB reduziert und am Ausgang um 10dB aufgeholt, um die Bauteile miniaturisieren zu können.

 

Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie genau sich meine Quelle an die „Scheibenwicklungen“ erinnern kann. Dieses System – haben es jetzt die Amis zuerst verwendet oder die grauen Herren vom NWDR / IRT – war offensichtlich ein gut gehütetes Geheimnis, wenn nicht ein Tabu. Es durfte nicht darüber geredet werden, daß man sich ab Zeitpunkt „X“ nicht mehr die Mühe machte, durch heißes Wachs gelaufenen Draht in Scheiben auf Hilfskörper zu wickeln, dann aushärten zu lassen und, nach einer ersten Schicht Mipolamschlauch mit Zwischenlagen von Trolitul, ohne den Hilfskörper auf einen Spulenkörper aus Preßspan zu schieben. Ein Verfahren, das zugegebermaßen nicht unbedingt zur Massenfertigung taugt.

 

Oder tue ich den Herren Unrecht ? Schließlich habe ich nur aus den U70 (Meßverstärker) und U74a (Kommandoverstärker) geschlachtete Übertrager seziert und in denen für den U73 - die ich nicht zur Verfügung hatte – hat man doch in Scheiben gewickelt ? Es gibt ja angeblich 3 verschieden Ausführungen des T188, die u.a. in den Gleichstromwiderständen variieren. Oder ist meine Information unvollständig, wurden die Scheibenwicklungen doch nur bei Übertragern in Mikrofonvorverstärkereingängen verwendet ? In der Beschreibung für den V72 heißt es ja auch, daß der Ausgangsübertrager ein Übertrager mit Zylinderwicklung sein soll. Aber das ist ja ein Ausgangsübertrager ...

Wer kann nachweisen, ob es "besser" oder nur "anders" klingt, Zylinderwicklungen in einer entsprechenden Qualität einzusetzen ? Elektrische Messung ist eine Seite, der Klang, wie er vom menschlichen Gehör rezipiert wird, eine andere. Und die Meinung eines einzelnen, sei sie auch mit medialer Präsenz verbunden, ersetzt keine Hörversuchsreihe ....

 

[1]

„Sollte“ deshalb, weil wohl im Sinne von Vereinfachung und Kostenersparnis nach den ersten Modellen, die vom IRT gebaut wurden, bei den Zulieferfirmen die wesentlich einfachere Lagenwicklung angewendet wurde.

 

Gehäuse

So wird die Aufteilung im 19" Gehäuse aussehen. Hinten quer werden die drei passiven Netzteile mit Ringkerntrafos plaziert, montiert an einem Zwischenblech. Als nächstes muß ich die GFK-Platinen mit Nietlötösen bestücken. Bestellung einer entsprechenden Menge  62-1042-11 bei der Firma Osterrath ist raus. Wie wird das mit der Frontplatte passen, muß ich auf ein 4HE Gehäuse umsteigen ?

Hörtest mit Haufe, Sowter und MD Übertragern

Messung vom Gleichstromwiderstand und Pegeltest allein haben mich ratlos gelassen, weil auch die Widerstände unterschiedlicher nicht sein könnten.

Aber auch der Audiotest hat jetzt keinen WOW ! Effekt hinterlassen. Zuerst habe ich eine höhere Auflösung und straffere Tiefen beim Sowter gehört und meinen etwa in der Nähe des HAUFE - unaufdringlich neutral. Dann habe ich noch ein weiteres Stück Musik dazu genommen und keinen Unterschied mehr gehört. Hilfe ! Wen es interessiert, der mag sich die Hörproben zu Gemüte führen. Link ist HIER.

Die Audiodateien sind 01=Original, 02=über AD/DA, 03=HaufeT188, 04=Sowter, 05=MD188, 06=MD188 mit den Wicklungen gegenläufig angeschlossen (ich wollte auch diesen eher esotherischen Ansatz nicht ausschließen).

Aber allein aufgrund dieses Hörtests gibt es wohl kaum Erkenntnisse, die mir weiterhelfen.

Gestaltung der GFK-Platten

Jetzt werden sie doch noch bedruckt. Durch einen befreundeten Musiker habe ich die Adresse einer kreativen Druckerei in Ludwigsburg erfahren, die Digitaldruck mit UV-Härtung auch auf meinem Material machen. Nicht nur eine Frage der persönlichen Eitelkeit, sondern ich denke, sie sind so auch leichter zu bestücken.

Ausführung der GFK-Platten

Mein Hilferuf ist erhört worden - die GFK Platten sind bedruckt und UV gehärtet. Das hält angeblich sogar dem Sonnenlicht stand, aber das muß es ja garnicht. Im Gehäuse leuchten nur die Röhren und die sind auf der anderen Seite der Platinen.
Firma PhotoFabrics GmbH in Ludwigsburg haben einen sehr guten Job gemacht, wie man sieht. Und nachdem ich schon über Servicewüste Deutschland meditierte, muß ich mich ( und das tue ich gern !) korrigieren: Die sind dort Service Oase 😊

                                


                                

Die Nietlötösen von Osterrath und ihre Befestigung

 

Nachdem meine bisher angedachte Lösung zur Verpressung der Nietlötösen wegen Labilität des (zugegebermaßen billigen) Bohrständers und der teuren, aber unpassenden Einsätze von mouser garnicht funktioniert hat, mußte ein neuer Denkansatz her.

Der kam in Gestalt eines erfahrenen Verkäufers bei OBI, dem es sichtlich Vergnügen bereitet hat, meinem Problem zuzuhören und dann in seinem Gedächtnis zu kramen. Denn Nietlötösen verwendet eigentlich seit 50 Jahren kein Elektroniker mehr - außer vielleicht in exotischen Gitarren Amps. Seine Antwort war, ob ich es nicht mal händisch mit einem Körner versuchen will.

Diese Idee in der Praxis sieht dann so aus:

                           

Ein großer Schritt für mich, aber ein kleiner für die Menschheit ...

 

könnte man in Abwandlung des berühmten Spruchs von Neil Armstrong, dem ersten Mann auf dem Mond, sagen. Für mich ist es der Apfel vom Baum der Erkenntnis, wie ich mit einem Werkzeug für € 3,79, einem sogenannten Körner, die Ösen pressen kann. Die genaue Vorgehensweise hat mir Werner Andres, der Mann von der "Tono", erklärt: Von der Rückseite in das Niet drücken, noch nicht zu fest. Dann auf der Vorderseite die Lötöse in die gewünschte Richtung drehen und final fixieren, eventuell mit einem leichten Schlag mit einem Bastelhammer.

Oben mein erster Versuch mit einem weicheren Material, mit der Qualität bin ich durchaus zufrieden. Any objects ? Einwände ?


Und jetzt der Schritt in die Praxis ...

 

Die Netzteilplatine mit einigen wenigen Komponenten bot sich an. Mein erster Versuch hat mir gezeigt, daß das ein gangbarer Weg ist. Beim Einpressen der Nieten kann ich etwa 4 Stück pro Minute schaffen. In dem Tempo könnte man eine der großen Platinen in etwa 30-40 Minuten fertigstellen, mit Denk- und Kaffeepause 1 Stunde.

 

Die Platine mit eingepressten Lötösen, mit einem kleinen Schraubenzieher angehoben und einer Spitzzange hochgebogen. Auch die Rückseite sieht ganz manierlich aus.

Habe ich schon die Firma Osterrath aus Bad Laasphe erwähnt, bei denen es jede Menge  Lötösen und Nietlötsen in allen erdenklichen Formen und Größen gibt ? Auch in 100er Mengen, also für Kleinbesteller wie mich.

Das wird ein originales passives Netzteil, nur den ursprünglichen Selengleichrichter habe ich durch einen modernen Brückengleichrichter ersetzt - der Trafo ist schon auf die geringere Verlustleistung des Si-Gleichrichters berechnet.

Für den aufmerksamen Beobachter: Die Widerstände fehlen noch, weil ich sicherheitshalber zunächst einen Lastpoti einbauen will, um sicher zu gehen, daß die passende Spannung anliegt.


Ein erstes passives Netzteil ist fertig

                                    

 

Nur zur Erinnerung: 3 passive Netzteile, damit sich die beiden U73b und das Varicom nicht untereinander beeinflussen


 

Ohne Last 327,5V statt 170V.

Mit Lastwiderstand 3k geht´  s runter auf 70V, mit 5K auf 120 V.

Ich nehme mal an, mit der hochohmigen Röhrenschaltung

hintendran wird´  s schon stimmen.

Im Original stimmt´  s ja auch.


Weiter mit den Nietlötösen

In der Ausführung ist das Ganze dann doch nicht so einfach. Denn mit jeder Bewegung verrutscht die Nietlötöse wieder. Eine andere Lösung wäre, die Löcher etwas "strammer" zu bohren (vllt. 1,9mm), damit das Niet gleich fester sitzt.

Ich habe jedenfalls die Nietlötöse auf die Arbeitsfläche gelegt, die Platine von oben aufgepresst und dann mit einem Schlag auf den Körner von hinten fixiert. Sieht dann etwa so aus (Präzisionsarbeit ist anders, aber wenn es in der Funktion sauber laufen wird, will ich mir verzeihen):

Und wenn die Lötösen mal hochgebogen sind, sieht man auch den Fehlwinkel nicht mehr so arg. Arbeitsaufwand ist wie erwartet, etwa eine Stunde pro Platine. Bei der zweiten gings schneller, weil ich nicht mehr nachgedacht, sondern nur noch geschaut habe.

Jetzt kann ich mal mit der Bestückung einer Platine beginnen. Eine Blechplatte mit Übertragern und Röhrenfassungen ist auch vorbereitet, sodaß ein erster Probelauf (probeglühen) in absehbare Nähe gerückt ist. Kribbel ...

 


    

An einem T188 war beim Anlöten meiner farbcodierten Drähte  der Anschluß + von der Primärwicklung 2 abgebrochen. Das heißt, damit hätte ich jetzt entweder einen neuen originalen T188 gebraucht - oder mein MD188 Projekt hätte sofort anlaufen müssen.

Aber:

Glück muß der Mensch natürlich auch haben (zumindest ein kleines), sonst ist alle Müh vergebens. Ich habe heute (30. 09. 2018) nochmal nach dem "defekten" T188 geschaut und mit einem Draht dort gefummelt, wo mal der Anschluß war.
Da bin ich auf ein freies Ende eines stoffisolierten Drahtes gestoßen, das ich erst noch etwas herausziehen musste. Das habe ich vorsichtig mit dem Lötkolben erhitzt, abisoliert und dann einen feinen Draht angelötet:
Simsalabim: da war mein fehlender Anschluß 3, der Anfang von Primärwicklung 2.

Jetzt vielleicht nur noch mit etwas PATTEX Stabilit Express fixieren
Damit habe ich wieder 6 Stück originale HAUFE T188, der fürs Stereoset nötige Satz ist komplett plus dem HAUFE T188 mit 400 Ohm für den Varicom.

 

Das große Glück hat leider gefehlt:

Die EBay Versteigerung eines Stereosets U73 (# 1164 / #1165) eines finnischen Anbieters ging heute ( 30. 09. 2018) für 4.214,- Euro ohne mich weg. Das ist für einen Kultklassiker, noch dazu ein durch die Seriennummern passendes Set natürlich überhaupt kein Preis, dennoch ...  Schade, ich hätte gern ein Original zum Klangvergleich gehabt. Aber die Entwicklung meiner eigenen Übertrager ist mir wichtiger, und damit sind die meine finanziellen Möglichkeiten schon eingebunden.